Auf drei Fragen: Herr Schneider von der Firma Schneider GmbH & Co. KG zum Thema Industrie 4.0

Herr Gunter Schneider ist Inhaber und Geschäftsführer der Firma Schneider GmbH & Co. KG und wird am 21. September 2017 auf dem Industrie 4.0 Kongress  an der Technischen Hochschule Mittelhessen in seinem Vortrag verdeutlichen, was gelebte Industrie 4.0 in der heutigen globalen Welt bedeutet. Herr Schneider wird den Teilnehmern und Teilnehmerinnen zeigen, wie sich die Industrie 4.0-Prinzipien bei der Firma Schneider widerspiegeln und einige praktische Beispiele von gelebter Industrie 4.0 weltweit aufzeigen.

 

Wo sehen Sie die Verbindung von Industrie 4.0 zu Ihrem Unternehmen?

Ich verstehe unter Industrie 4.0 ein Konstrukt aus intelligenten Prinzipien, Digitalisierung, Vernetzung und Überwachung bei gleichzeitigem maximalen Individualisierungsgrad des Produktes. Diese Definition ist in unserer Philosophie der Modulo Brillenglasproduktion real geworden.

Modulo repräsentiert eine hochintegrierte vollautomatische Systemlösung mit selbstorganisierten kognitiven Maschinen, die alle miteinander vernetzt sind. Das System bietet äußerste Flexibilität dank einer einzigartigen Philosophie, die sich durch das autarke und selbstständige Arbeiten der Maschinen miteinander auszeichnet.

Zu diesem Zweck wurde für Modulo eine eigene Maschinengeneration mit dem Ziel einer hohen Integrationsfähigkeit entwickelt. Dies gewährleistet die platzsparende Zusammenführung der einzelnen Maschinen zu einem Gesamtsystem und damit eine hohe Produktivität pro Quadratmeter. Insbesondere diejenigen Labs, die bei gegebener Fläche ihre Leistungsfähigkeit steigern müssen, profitieren hiervon.

Mit dem System bilden wir die komplette Linsenglasproduktionskette ab, beginnend beim Blocken, über das Hochgeschwindigkeits-Fräsen und -Drehen, computergesteuertes Polieren, Inline-Messen, die Lasergravur, Entblocken zum automatischen Reinigen.

Alle Maschinen sind an das vollvernetzte Lab Management System angeschlossen und werden kontinuierlich von dem Modulo Control Center überwacht. Dieses überprüft permanent die Systemleistung, die Linsenqualität, die jeweiligen Systemzustände, sammelt Maschinen- und Prozessinformationen etc. Im Falle einer Störung werden die Maschinenrückmeldungen analysiert und Prognosen über die Ursachen abgeleitet. So können konkrete Verbesserungsmaßnahmen vorgeschlagen werden.

 

Wo sehen Sie Industrie 4.0 in 10 Jahren?

Ich denke, dass in den nächsten 10 Jahren ein großer Wandel stattfinden wird. Alte Geschäftsfelder und -modelle werden durch neue erweitert oder ersetzt werden. Es wird zu einem Wandel in allen klassischen Unternehmensbereichen kommen. Industrie 4.0 ist bereits heute für uns gelebte Praxis – in 10 Jahren reden wir eher von Industrie 7.0.

Der Bedarf an der sogenannten kurzfristigen Bedürfnisbefriedigung einerseits aber auch der Wunsch an zunehmender Produktindividualisierung andererseits wird weiter wachsen. Das heißt für uns als Maschinen- und Systemlieferant, Systeme zu entwickeln, die einen höheren Grad an Automation besitzen, vor allem aber durchgängig, d.h. über die gesamte Prozesskette hinweg, automatisiert sind. Bisher ist das bei dem Beschichten, Färben und letztendlichem In-Form-Schneiden der Gläser noch nicht der Fall.

Neben diesen an die bestehende Prozesskette angelehnten Entwicklungen sind in einem solchen Zeitraum auch disruptive Entwicklungen zu sehen und zu forcieren. So arbeiten wir an vollständig neuen Fertigungskonzepten, um die Grundlagen für eine eben solche Vollautomatisierung zu schaffen.

Fertigung wird wesentlich globaler werden. Die Systeme müssen daher global routing-fähig sein, um innerhalb kürzester Zeit auf Veränderungen im Markt reagieren zu können.

Neben der Produktionsebene wird es ebenfalls Veränderungen in der modernen Arbeitswelt geben. Dank globaler Vernetzung werden neue Arbeitsformen entstehen, die den modernen Büroalltag ablösen und zu neuen Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodellen führen werden.

 

Was waren zu Beginn die ersten Schritte in Ihrem Unternehmen bei der Integration von Industrie 4.0?

Industrie 4.0 hatte bei Schneider bereits Einzug erhalten, als dieses Thema noch nicht medial omni-präsent wurde. Für uns war der Übergang von der Einzelmaschine zu einem selbständig organisierten Produktionssystem der nächste logische Schritt, um die Produktion weiter steigern zu können. Neben dieser massiven produktbasierten Entwicklungsarbeit war allerdings auch der organisatorische Übergang von dem Einzelmaschinenverantwortlichen zum Gesamt-Produktionsverantwortlichen zu meistern. Zur Realisierung und weltweiten Integration unserer Modulo Anlagen haben wir spezielle Projektteams etabliert, die sich mit der Konzeption der Produktionsanlagen beschäftigen. Neben der Planung der Produktionsanlage entwerfen unsere Teams die komplette benötigte Infrastruktur – angefangen bei der Auslegung des Produktionsstandortes bis hin zu der Ermittlung der nötigen Raumanforderungen unter besonderer Berücksichtigung der peripheren Installationen. Dazu zählen Logistiksysteme inklusive der Liftanlagen, die auch verschiedene Produktionsringe verknüpfen, oder zentrale Kühlschmierstoff-Aufbereitungsanlagen.

Nach der Planung erfolgen die Phasen Aufbau, Inbetriebnahme sowie Ramp-up (Anlaufphase). Durch die ganzheitliche Projektbetreuung sind unsere Projektmanager Experten auf ihrem Gebiet und können auf etwaige Probleme sofort reagieren.

Bereits während aber vor allem nach erfolgreicher Inbetriebnahme und Übergabe an den Kunden offerieren wir spezielle Trainings, die individuell auf den Kenntnisstand und die speziellen Bedürfnisse des Kunden angepasst werden.

Auf drei Fragen: Herr Schneider von der Firma Schneider GmbH & Co. KG zum Thema Industrie 4.0

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