Auf drei Fragen: Prof. Dr. Diaz aus dem Fachbereich Bauinformatik

Herr Prof. Dr. Diaz lehrt Bauinformatik und nachhaltiges Bauen an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Im Interview erklärt er, welche Auswirkungen die Digitalisierung zukünftig auf das Bauwesen haben kann und wie mittelständische Unternehmen davon betroffen sind.

 

Wo sehen Sie die Verknüpfung zwischen Ihrem Fachgebiet der Bauinformatik und der Industrie 4.0?

In der Bauinformatik werden alle Prozesse des Bauwesens mit der Informatik verknüpft. Als Bauinformatiker bringe ich die gesamte Digitalisierung und künstliche Intelligenz in alle Bereiche des Bauwesens ein. Das ist mein Lehrgebiet.

Wie stellen Sie sich die Industrie 4.0 in 10 Jahren vor?

Was man heute als Industrie 4.0 bezeichnet, ist eigentlich nichts anderes als die Digitalisierung der Wertschöpfungskette. Die genutzten Geräte werden immer intelligenter. In 10 Jahren wird die Vernetzung noch stärker ausgeprägt sein.

10 Jahre sind für mich noch zu kurz gegriffen. In 20 oder 25 Jahren werden Systeme zunehmend intelligenter sein. Sie werden miteinander kommunizieren und Entscheidungen vorschlagen oder sogar selbst treffen.

Beispielsweise können hunderte Sensoren in einer Brücke verbaut werden, die miteinander kommunizieren. Diese Sensoren messen u.a. die Feuchtigkeit des Materials, die Temperaturen oder Dehnungen und Risse im Material. Sobald bestimmte Grenzwerte überschritten werden, wird automatisch gemeldet, wo es ein Problem gibt und was getan werden muss. So können Mängel rechtzeitig entdeckt und behoben werden. Dieses intelligente Facility Management wird auch als Predictive Maintenance bezeichnet.

Inwiefern werden diese intelligent vernetzten Systeme für einen mittelständischen Industriebetrieb wichtig?

Vor wenigen Wochen hat die Firma Bosch angekündigt, alle weltweit produzierten Geräte bis 2020/21 mit künstlicher Intelligenz ausstatten zu wollen. Diese mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Geräte werden zukünftig im Bauwesen eingesetzt und in Gebäuden verbaut sein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Digitalisierung durch die gesamte Wertschöpfungskette ziehen wird. Alle Unternehmen werden sich über kurz oder lang auf diese Entwicklung einstellen müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

 

Wenn Sie ein Entscheidungsträger eines mittelständischen Unternehmens wären, was wären Ihre ersten Schritte zur Implementierung der Industrie 4.0?

Ich unterscheide hier zwischen zwei Ebenen: Zum einen soll die eigene Produktion optimiert werden; zum anderen wird das hergestellte Produkt intelligenter.

Um die Produktion zu optimieren, sollten im ersten Schritt die Prozesse analysiert und untereinander abgestimmt werden. Wenn das passiert ist, kann man daraus lernen, Prozesse entsprechend anpassen und effizienter werden. Das was man macht, macht man dann besonders gut.

Außerdem sollten Produkte oder erbrachte Dienstleistungen möglichst intelligent werden. Das heißt, künstliche Intelligenz in die Produkte einbringen, um eine Abnahme auf dem Markt zu gewährleisten. Dadurch steigt das Interesse am Produkt für einen breiten Markt.

Ein weiterer Aspekt sind die Mitarbeiter eines Unternehmens. Ich würde versuchen, meine Mitarbeiter von der Vision einer digital vernetzten Wertschöpfungskette zu überzeugen, damit sie den Wandel kreativ mitwirken und mitgestalten.

In vielen Betrieben ist die Digitalisierung schon sehr weit fortgeschritten. Von deren Erfahrungen würde ich lernen und versuchen, dies in meine Produktion zu übertragen.

Viele Mitarbeiter sind skeptisch gegenüber der Digitalisierung eingestellt. Wie würden Sie Ihre Mitarbeiter überzeugen?

Die Ängste, dass neue Technologien Jobs kaputt machen, gibt es schon seit vielen Jahren. Die Arbeitsplätze werden aber viel mehr verlagert, als dass sie wegrationalisiert werden.

Dafür sprechen die Arbeitsstatistiken:  Momentan gibt es bundesweit ca. 2,6 Mio. Arbeitslose. Vor 15 Jahren gab es noch 5 Mio. arbeitslos gemeldete Menschen in Deutschland.

Vor allem Arbeitsprozesse die ineffizient sind, wenn sie von Menschen durchgeführt werden, werden in der Industrie 4.0 substituiert. Dafür entstehen wiederum neue Arbeitsplätze. Vor allem im kreativen Bereich werden in Zukunft viele Jobs entstehen.

 

Teilnehmer des Industrie 4.0 Kongress erfahren am ersten Kongresstag bei dem Vortrag “Lean Facility Management durch Building Information Modeling” mehr zum Thema.

Auf drei Fragen: Prof. Dr. Diaz aus dem Fachbereich Bauinformatik

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