Auf drei Fragen: Herr Prof. Dr. Piazolo über den Arbeitsmarkt der Zukunft

Im Interview erklärt uns Herr Prof. Dr. Piazolo, welche Auswirkungen die Entwicklungen der Industrie 4.0 auf den Arbeitsmarkt haben werden. Er ist Professor im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen. Dabei forscht und lehrt er insbesondere in den Bereichen Immobilienmanagement, Risikomanagement und Digitalisierung.

Wo sehen Sie den Verknüpfungspunkt zwischen Ihrem Fachbereich Immobilienmanagement bzw. Personal und dem Thema Industrie 4.0?

Die Industrie 4.0 mit der Digitalisierung hat Auswirkungen darauf, wie die gesamte Wirtschaft funktioniert. Die Veränderungen werden im Immobilienbereich, aber auch im Facility- und Propertymanagement deutlich sichtbar. Auch in der Architektur nimmt die Digitalisierung eine zunehmend wichtige Rolle ein. So könnte zukünftig jedes Gebäude einen digitalen Zwilling haben.
Womit ich mich ganz konkret auseinandergesetzt habe, ist wie sich die Arbeitswelt ändern wird. Als Hochschule sehen wir es als unsere Aufgabe an, Studierenden diese Kompetenz mitzugeben und sie für die Herausforderungen der digitalen und automatisierten Arbeitsbereiche vorzubereiten. Dabei geht es nicht um konkrete Arbeitsschritte, sondern viel mehr um die Fähigkeit, sich auf neue technische Aspekte einzustellen.

 

Wie sehen Sie den Arbeitsmarkt in Verbindung mit der Digitalisierung  in 10 Jahren?

Die Industrie 4.0 wird in Zukunft verstärkt die Situation von Arbeitnehmern beeinflussen. Einige Arbeitsbereiche werden durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung ersetzbar, sodass auch Jobs wegfallen werden. Durch die Industrie 4.0 werden jedoch auch Arbeitsplätze geschaffen. Vor allem sehe ich gute Chancen für höher qualifizierte Arbeitskräfte. Digitalisierung wird demnach ein Jobkiller und gleichzeitig ein Jobmotor sein.

 

Wenn Sie Entscheidungsträger in einem mittelständischen Unternehmen wären, was wären Ihre ersten und wichtigsten Schritte in Richtung Industrie 4.0?

Mit meinem Fokus auf das Personalwesen wäre der erste wichtige Schritt zu überlegen, ob die Mitarbeiter des Unternehmens dazu qualifiziert sind, den Herausforderungen der Industrie 4.0 adäquat entgegenzutreten. Geschäftsprozesse und -strategien werden massiv unter Druck kommen. Deswegen müssen digitale Kompetenzen bei Mitarbeitern gefördert oder eingekauft werden.

Unternehmen werden sich auf die Herausforderungen der Industrie 4.0 einstellen und ihre Geschäftsmodelle überdenken müssen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Wettbewerber mit neuen Möglichkeiten produktiver arbeiten werden als man selbst. Es wird drastische Unterschiede geben zwischen Unternehmen, die entsprechende Qualifikationen bei ihren Mitarbeitern fördern und aufbauen, und jenen, die dies verpassen.

 

Herr Prof. Dr. Piazolo wird mit einem Fachvortrag und einem Workshop auf dem Industrie 4.0 Kongress an der TH Mittelhessen vertreten sein.

Auf drei Fragen: Herr Prof. Dr. Piazolo über den Arbeitsmarkt der Zukunft

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